Kaffee à la carte – Kaffeetrinken in Frankreich, Spanien und Deutschland

Angebaut in Lateinamerika, Asien und Afrika, verzehrt rund um den Globus. Die Rede ist von Kaffee. Wir trinken ihn zum Frühstück, nach dem Mittagessen oder nachmittags zu einem Stück Kuchen. Dabei dient er nicht nur als Getränk, sondern auch als soziales Ritual. Kaffee verbindet, wenn die Omas sich zum Kaffeeklatsch treffen oder sich Kollegen um die Kaffeemaschine versammeln. Doch wie und zu welchen Gelegenheiten trinkt man in Frankreich und Spanien Kaffee? Diese Frage beantwortet der folgende Artikel.

Frankreich

Welche Kaffeearten gibt es in Frankreich? Wann trinken die Französinnen und Franzosen ihren Kaffee und was gibt es dazu? Wie wird der Kaffee zubereitet und wo kommt er eigentlich her?

Die französischen Kaffeegetränke

In Frankreich beginnt der Tag typischerweise mit einem Café au lait. Dieser wird in einer großen Tasse getrunken, die auch bol genannt wird. Der Café au lait besteht zur Hälfte aus schaumig aufgeschlagener Milch und zur anderen Hälfte aus einem starken, sehr heißen Espresso.

Wer als deutscher Tourist in Frankreich unterwegs ist, sollte jedoch wissen, dass die Benennungen von Kaffeearten sich von denen in Deutschland unterscheiden. Bestellt man in Frankreich einen einfachen café, erhält man einen kleinen schwarzen, sehr starken Kaffee, den wir in Deutschland als Espresso kennen.
Deutschen Vorstellungen eines schwarzen Kaffees kommt wohl eher der café allongé oder der café américain am nächsten. Hierbei handelt es sich um einen starken Espresso, der mit heißem Wasser verdünnt wird.

Wer in Frankreich einen Kaffee mit Milch trinken möchte, sollte einen café crème bestellen. Hierbei handelt es sich um einen Kaffee mit etwas aufgeschäumter Milch, der im Gegensatz zum café au lait nicht nur zum Frühstück getrunken wird.

Darüber hinaus gibt es auch noch den café noisette. Dieser ist ein Espresso, der mit einem Kännchen Milch serviert wird.

Vom petit déjeuner über das goûter bis zum dîner

Bei genauerer Betrachtung stellen wir fest, dass der Kaffee uns auch in Frankreich durch den gesamten Tag begleiten kann. Angefangen vom café au lait, der zum französischen Frühstück, dem petit déjeuner, in der bol serviert wird. Diese schüsselähnliche Tasse ist so groß, dass ein Croissant oder wahlweise auch ein Toast hineingetaucht werden kann.

Auch im weiteren Verlauf des Tages greifen Französinnen und Franzosen gerne zur Tasse Kaffee. Sie spendet Energie und ist gleichzeitig ein Inbegriff des Genusses. So wird der Kaffee auch gerne auf der Arbeit getrunken, vorzugsweise zum Ende der Mittagspause.

Nachmittags gibt es gegen vier Uhr außerdem le goûter, eine kleine Zwischenmahlzeit, mit der die lange Zeit zwischen Mittag- und Abendessen überbrückt werden soll. Hier wird zum Kaffee gerne ein süßes Gebäck gereicht.

Den krönenden Abschluss des Tages bildet üblicherweise das dîner. Hierbei handelt es sich normalerweise um die Hauptmahlzeit, die gerne mit einem einfachen café, den wir in Deutschland als Espresso bezeichnen würden, beendet wird.

French press – die Kunst der Kaffeezubereitung

Kaffee wird in Frankreich gerne in der Kaffeepresse, der sogenannten French press zubereitet. Hierbei handelt es sich um eine Glaskanne, die mit etwas Kaffeepulver befüllt wird. Anschließend wird heißes Wasser in die Kanne gefüllt. Nach kurzer Ziehzeit wird der aufgewirbelte Kaffee durch ein Sieb auf den Boden der Kanne gedrückt. Oberhalb der Siebes bleibt der köstliche Kaffee zurück.

Diese Erfindung geht auf ein Patent des Franzosen Marcel-Pierre Paquet von 1924 zurück. In Frankreich wird die Kanne cafetière à piston genannt.

Doch auch in Frankreich ist die sogenannte cafetière italienne weit verbreitet. Hierbei handelt es sich um eine achteckige Kanne aus Aluminium. Am Boden dieser Kann befindet sich ein kleiner Behälter, der mit Wasser befüllt wird. Direkt darauf wird ein Sieb gelegt, das mit Kaffee befüllt wird. Darauf wird die eigentliche Kanne befestigt. Die so zusammengebaute cafetière wird nun auf eine Herdplatte gestellt und langsam erhitzt. Das auf diese Weise aufgeheizte Wasser wird nach und nach durch das Kaffeesieb nach oben in die Kaffeekanne gedrückt. Diese Konstruktion wurde 1933 erfunden.

Der Kaffee kommt nach Frankreich

Nun wissen wir, auf welche Arten die Französinnen und Franzosen üblicherweise ihren Kaffee trinken und zubereiten. Aber wie und wann kam der Kaffee eigentlich nach Frankreich?

Die ersten kulturellen Spuren des Kaffeegenusses in Frankreich reichen zurück bis ins 15. Jahrhundert. Offiziell eingeführt wurde der Kaffee jedoch erst im 17. Jahrhundert durch einen Kaufmann, der ihn nach Marseille brachte. In Paris brachte die Politik den Kaffee in die gehobene Gesellschaft. Ein Abgesandter aus dem Osmanischen Reich sollte eine Allianz mit Frankreich aushandeln und brachte Ludwig XIV. Kaffee mit.

Durch die Entwicklung der cafetière wurde der Kaffeegenuss in Frankreich schließlich noch einmal revolutioniert. Das erste Kaffeehaus wurde bald eröffnet und nach und nach kamen immer mehr dazu. Sie wurden zum Treffpunkt von Künstler/-innen und Intellektuellen. Dazu zählt auch das wohl bekannteste Café von Paris: Les Deux Magots. Hier trafen sich regelmäßig Simone de Beauvoir und Jean-Paul-Sartre, die den Kaffee zum stillen Begleiter ihrer existenzialistischen Ideen machten.

Übrigens: Auch die Wahl der Kaffeebohne ist in Frankreich historisch geprägt, denn hier wird die Robusta-Bohne favorisiert. Diese Bohne wird hauptsächlich in Westafrika angebaut. Da sich hier die meisten ehemaligen französischen Kolonien befinden, wurde der Import von Robusta-Bohnen lange favorisiert.

Spanien

Auch in Spanien trinken die Menschen Kaffee. Doch einen Filterkaffee suchen wir auch hier vergebens. Die Basis jeden spanischen Kaffeegetränks ist der Café solo. Welche leckeren Getränke daraus gezaubert werden und was den spanischen Kaffee so besonders macht, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Kaffeetrinken in Spanien

Die Spanierinnen und Spanier trinken ihren Kaffee entweder zu Hause, in Bars oder in sogenannten Cafeterías. Dort können verschiedene Kaffeespezialitäten bestellt werden:

  • Café solo: Espresso, bei dem heißes Wasser mit Druck durch sehr fein gemahlenes Kaffeepulver gepresst wird.
  • Cortado: Espresso mit einem Schuss heißer Milch
  • Manchado: eine Variation des Cortado mit nur einem Hauch von Milch
  • Café americano: Espresso, der mit Milch verdünnt wird
  • Descafeinado: Entkoffeinierter Espresso
  • Café con hielo: Espresso, der üblicherweise in einer kleinen Tasse mit einem großen Glas Eiswürfel serviert wird. Den Espresso schüttet der Gast selbst in das Glas – ein sehr beliebtes Getränk an heißen Sommertagen.
  • Café con leche: klassischer Milchkaffe der zu einer Hälfte aus Espresso und zur anderen Hälfte aus heißer Milch besteht.
  • Café bombón: spanische Spezialität => Espresso mit gesüßter Kondensmilch
  • Café carajillo: Espresso mit einem Schuss spanischen Schnapses
  • Barraquito: verschiedene Zutaten, die übereinandergeschichtet werden und sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Dichte nicht vermischen:
    • Kondensmilch
    • Likör
    • Espresso
    • Aufgeschäumte Milch
    • Serviert mit etwas Zimt und Zitronen- oder Limettenschale

Kaffeegenuss im Laufe des Tages

Während in Frankreich der Kaffee schon zum Frühstück getrunken wird, beginnen auch Spanierinnen und Spanier ihren Tag mit dem starken, schwarzen Getränk. Entweder sie bereiten diesen noch zu Hause vor oder bestellen sich einen Cortado mit Churros in einer Bar beziehungsweise einer Cafetería. Diese öffnen ihre Türen meist schon sehr früh. So ist es in Spanien nicht schwer, auch schon morgens vor sieben Uhr einen Kaffee zu ergattern.

Den nächsten Kaffee gibt es am späten Vormittag in der Kaffeepause und natürlich nach dem Mittagessen. Hier werden vorzugsweise ein café con leche oder ein cortado getrunken.

Nachmittags trinken viele Menschen in Spanien noch einen café solo. An besonders heißen Tagen greift man jedoch auch gerne zum café con hielo. Dieser bietet eine willkommene Erfrischung.

Vom café de pote zum Siebträger

Während in der Cafetería heute die Siebträgermaschine im Einsatz ist, bereitete man den Kaffee in privaten Haushalten noch lange in einem kleinen Töpfchen zu. Der so entstandene Kaffee wird als café de pote oder café de puchero bezeichnet. Inzwischen findet sich aber auch in nahezu jedem spanischen Haushalt die italienische cafetera. Diese kam jedoch erst nach dem zweiten Weltkrieg nach Spanien. Eine Filtermaschine, wie wir sie in Deutschland kennen, sucht man in Spanien jedoch vergeblich.

Zur Kaffeezubereitung wird in Spanien eine Mischung aus Robusta- und Arabica-Bohnen verwendet. Eine Besonderheit ist die Röstung des Café Torrefacto. Dabei wird während der Röstung Zucker zu den Bohnen gegeben. Dieser schmilzt und macht den Kaffee weniger bitter. Diese Methode ist umstritten. Die Befürworter finden den Kaffee kräftiger, aromatischer und erfrischender. Kritiker sind jedoch der Meinung, dass bei diesem Verfahren der natürliche Geschmack des Kaffees überdeckt wird, wodurch der Kaffee ungenießbar wird.

Kaffee als Luxusgetränk

Es gibt Vermutungen, dass schon die Mauren während ihrer Zeit in Spanien Kaffee genossen. Sicher überliefert ist jedoch, dass venezianische Kaufmänner den Kaffee nach Spanien brachten. Dabei hatte Spanien eigentlich schon in der Kolonialzeit Zugang zum Kaffee in Lateinamerika. Nachdem die Kolonien aber aufgegeben wurden, konnte der Kaffee nicht mehr so leicht importiert werden und galt daher als Luxusgut.

Lange Zeit war es leichter Kakao aus Mexiko zu importieren. Deshalb fand dieser auch mehr Anklang als Kaffee.

1726 nahm der Kaffee schließlich Einzug ins amtliche Wörterbuch der Real Academia Española.

Vierzig Jahre später wurde das erste Kaffeehaus in Madrid eröffnet und 1778 verordnete Carlos III den Kaffeeanbau auf den kanarischen Inseln. So sollte die iberische Halbinsel unabhängig vom Kaffeeimport aus Amerika werden. Noch heute existiert ein winziges Anbaugebiet auf Gran Canaria. Der Kaffee sollte so bald für alle zugänglich werden, mit tragbaren Preisen für das Bürgertum.

Spanische Kaffeehäuser

Im Laufe des 19. Jahrhunderts öffnet auch in Spanien immer mehr Kaffeehäuser ihre Pforten. Eine Kaffeehauskultur, wie man sie aus Paris oder Wien kennt, hat sich in Spanien dennoch nie entwickelt. Kaffeehäuser wurden schnell zu Tapas-Bars oder Cervecerías erweitert.

Dennoch finden wir auch in Spanien Cafés, die eine besondere Bedeutung für die literarische und politische Entwicklung des Landes hatten.

Dazu zählt zum Beispiel das Els Quatre Gats in Barcelona. Hier stellte Picasso seine ersten Werke aus und bald kamen hier auch andere große Künstler zusammen, darunter Santiago Rusiñol und Ramón Casas. So wurde das Café bald zu einem beliebten Anlaufpunkt für Konzerte und andere Vorführungen.

Währenddessen wurde 1888 in Madrid das Café Gijón eröffnet, welches sich bald zu einer kulturellen Institution und einem wichtigen Treffpunkt für große Persönlichkeiten entwickelte. Noch heute ist das Café Schauplatz zahlreicher Bücher, die in Madrid spielen.

Kaffeetrinken in Deutschland

Während nun also in Frankreich und Spanien die Basis eines jeden Kaffees ein starker Espresso ist, setzen die Menschen in Deutschland immer noch auf den altbekannten Filterkaffee. Dabei wird Kaffee in einen Filter eingefüllt und anschließend mit heißem Wasser übergossen.

Schon zum Frühstück trinken viele Deutsche gerne eine Tasse Kaffee – gerne mit einem Löffel Zucker und oder einem Schluck Milch. Viele genießen ihr koffeinhaltiges Getränk aber auch «schwarz», also ohne den Zusatz von Milch und / oder Zucker.

Häufig werden auch im Laufe des Vormittags noch diverse Tassen Kaffee getrunken. Traditionell veranstalten die Deutschen am Nachmittag ein sogenanntes Kaffeetrinken. Dabei kommt die ganze Familie zusammen oder man verabredet sich mit den Freundinnen auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen, das am Wochenende auch gerne ein bisschen üppiger ausfallen darf.

Fazit

Drei Länder und drei Arten den Kaffee zu genießen. Doch eines verbindet die Franzosen, Spanier und Deutschen, wenn es um den Genuss von Kaffee geht: die Gemeinsamkeit. Der Kaffee wird gerne in Gesellschaft genossen und dort, wo Menschen zusammenkommen, entstehen Ideen. So gibt es in Frankreich und Spanien auch heute noch althergebrachte Kaffeehäuser, in denen sich Intellektuelle und Künstler einst trafen. In Deutschland existierten in den 20er-Jahren zwar viele Kultcafés. Jedoch haben sich diese aus diversen Gründen kaum bis heute gehalten. Nur in Leipzig findet man noch das Traditionscafé Zum arabischen Coffee Baum, während in München das Café Luitpold immer noch seine Pforten öffnet. Doch eine Kaffeehauskultur, wie man sie aus Wien kennt, gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr.

Quellen:

Frankreich

Spanien

Deutschland

 

La Diada – ein Tag im Zeichen der Unabhängigkeit

Morgen ist es wieder so weit. Katalonien feiert wie jedes Jahr am 11. September den Día de Catalunya, den katalanischen Nationalfeiertag, kurz La Diada. An diesem Tag gedenken die Katalanen dem 11. September 1714, an dem Katalonien am Ende des spanischen Erbfolgekrieges seine Unabhängigkeit verlor.

Dann ziehen wieder tausende Katalanen durch die Straßen Barcelonas und demonstrieren für ihre Unabhängigkeit. Sie schwingen die Estelada, die gelb-rot gestreifte Unabhängigkeitsflagge mit einem weißen Stern auf einem blauen Dreieck. Eine Abwandlung der Senyera, der offiziellen katalanischen Flagge.

Referendum im Oktober 2017

Im Oktober 2017 gab es ein Unabhängigkeitsvotum, bei dem mit einer Wahlbeteiligung von 42,5 % der Katalanen 90 % für die katalanische Unabhängigkeit von Spanien gestimmt haben. Da das Referendum jedoch gegen die spanische Verfassung verstieß, wurde auch das Ergebnis nicht anerkannt.

Spanien besteht aus 17 autonomen Gemeinschaften, den sogenannten Comunidades Autónomas. Eine dieser Comunidades ist Katalonien. Die Loslösung einer dieser Gemeinschaften ist jedoch in der spanischen Verfassung gar nicht vorgesehen. Deshalb erklärte die spanische Regierung in Madrid das Referendum für ungültig.

Die katalanischen Politiker riefen am 10. Oktober 2017 trotzdem die unabhängige Republik Katalonien aus – ohne rechtliche Legitimation. Infolgedessen kam es zur Absetzung und Verhaftung katalanischer Regierungspolitiker. Zahlreiche, unter ihnen auch Regierungspräsident Carles Puigdemont, flohen ins Ausland.

Gerichtsprozess und brennende Autos

Zwei Jahre später, im Oktober 2019, verurteile der oberste spanische Gerichtshof, das Tribunal supremo, die Inhaftierten unter anderem wegen Aufruhrs zu 9-13 Jahren Haft. Dieses Urteil hat man in Katalonien als sehr streng empfunden. Deshalb kam es nach der Urteilsverkündung in Barcelona zu Unruhen. Autos und Müllcontainer wurden angezündet.

Die Gründe

Inzwischen zieht sich ein tiefer Graben durch die katalanische Gesellschaft, denn die Hälfte der Katalanen fordert nach wie vor die katalanische Unabhängigkeit. Währenddessen sehnt sich die andere Hälfte nach Ruhe und Stabilität. Auf beiden Seiten wächst der Unmut. Doch woher rührt dieser starke Wunsch nach Unabhängigkeit?

Kulturelle Besonderheiten

Bei einem Blick in die katalanische Geschichte wird schnell deutlich, dass Katalonien eine Sonderstellung einnimmt. Das Land, in dem Antoni Gaudí herausragende Bauwerke, wie die Sagrada Famiglia, errichtet hat, ist stolz auf eine Kultur, die sich über Jahrhunderte entwickelt hat.

Anlässlich bedeutender Feiertage, wie dem Mercè Fest, das traditionell Ende September gefeiert wird, kommt man nicht umhin, an nahezu jeder Straßenecke auf eine Menschenpyramide, ein sogenanntes Castell, zu stoßen. Die Teilnehmer, Castellers, erklimmen dabei die Schultern ihrer Kollegen und bauen so einen Turm, an dessen Spitze die jüngsten Teilnehmer stehen, die häufig nicht älter als vier Jahre sind.

Außerdem wird in Katalonien catalán gesprochen. Dieses ist neben dem Spanischen, dem castellano, Amtssprache in Katalonien. Es handelt sich hierbei also um eine vollwertige eigene Sprache und nicht nur um einen Dialekt. Das Katalanische ist eine romanische Sprache, die auch Amtssprache in Andorra, auf den Balearen und in Valencia ist.

Führende Wirtschaftskraft

Neben seiner kulturellen Vielfalt erfreut sich Katalonien auch eines großen wirtschaftlichen Erfolgs. Das BIP von Katalonien liegt im landesweiten Vergleich mit 236,8 Mrd. € auf dem zweiten Platz, knapp hinter Madrid.

Tatsächlich florierte die katalanische Wirtschaft früher noch mehr. Seit dem Unabhängigkeitsreferendum und den damit verbundenen Unruhen wurde die katalanische Wirtschaft jedoch von Madrid abgehängt. Zahlreiche internationale Unternehmen verlegten ihre Niederlassungen nach Madrid. Auch der Tourismus ging zurück.

Ein Gefühl von Ungerechtigkeit

In Interviews mit Anhängern der Unabhängigkeitsbewegung spielt der Wirtschaftsfaktor häufig eine übergeordnete Rolle. Viele sind der Meinung, dass Katalonien viel besser dastehen würde, wenn die Steuerzahlungen direkt an Barcelona gezahlt und im Land bleiben würden.

Aktuell leisten die Katalanen ihre Steuerzahlungen an Madrid. Dort werden die Steuern aller Comunidades verwaltet und gemäß dem Solidarprinzip verteilt. Da die Wirtschaftsleistung Kataloniens deutlich höher ist als die anderer Regionen, verzeichnet Katalonien hierbei insgesamt Verluste. Damit sind viele Katalanen nicht einverstanden.

Zurück zu den Anfängen

Ein Blick in die Geschichte Kataloniens erklärt, warum die Wirtschaft für die Region von so großer Bedeutung ist. Ursprung der katalanischen Wirtschaftsleistung ist Barcelona. Dank seiner strategisch perfekten Lage bot es seit jeher einen hervorragenden Ausgangspunkt für den Seehandel. Das haben die Katalanen schon früh erkannt.

Die Grafschaft Barcelona, auf die das katalanische Adelsgeschlecht zurückgeht, förderte die Entwicklung der Region. Im zehnten Jahrhundert wurden Ausbildungsstätten und Klöster errichtet. Außerdem leisteten die umliegenden Klein-Königreiche, die sogenannten Taifas, Schutzzahlungen an Barcelona. So floss viel Geld in die Hafenstadt. Dieses konnte in den Schiffbau investiert werden. Der Seehandel wurde ausgebaut und das Wirtschaftswachstum so gefördert.

Die Region Kataloniens hat sowohl durch ihre Kultur und Sprache als auch durch ihre Wirtschaftsleistung eine Sonderstellung. Doch es gibt noch einen Grund, mit dem sich der Wunsch nach Unabhängigkeit erklären lässt. Katalonien war lange Zeit ein Königshaus, das im Mittelalter in ganz Europa anerkannt war.

Das Königreich Katalonien-Aragón

Durch die Eheschließung zwischen dem Grafen von Barcelona und der Tochter des Königs von Aragón kam es 1137 zu einem Zusammenschluss mit dem Königreich Aragón. Der aus dieser Ehe hervorgegangene Sohn war Graf Alfonso I von Barcelona und gleichzeitig König Alfonso II von Aragón. Mit ihm wurden Aragón und Katalonien zur Krone Aragón zusammengeschlossen.

Dieses Königshaus bestand in direkter Linie bis 1410 und konnte sich bis dahin stetig weiter ausbreiten und entwickeln. Es entstanden Institutionen, wie der Consell de Cent, der Cort General oder die Diputació del General. Die Etablierung dieser Institutionen führte zu einem gewissen Grad der Selbstorganisation des Volkes und zur Einschränkung der Rechte der Krone.

Ende des Adelsgeschlechts von Barcelona

Mit dem Tod von König Martí I starb 1410 der letzte Adelige des Geschlechts Barcelona. Da er keine Nachfahren hinterließ, stellte sich die Frage nach einem Thronfolger. Die Krone fiel zunächst an einen Neffen, der in Kastilien geboren und aufgewachsen war. Seine Bindung zu Barcelona war entsprechend gering.

Durch eine Eheschließung zwischen den Häusern Katalonien-Aragón und Kastilien kam es in der Erbfolge zu einer Situation, in der der König von Katalonien-Aragón auch die Regentschaft von Kastilien übernehmen muss. Mit seinem Tod fiel die katalanisch-aragonesische Krone jedoch vollständig an Kastilien.

Barcelona bleibt standhaft

Doch Barcelona blieb standhaft. So mussten bis 1700 alle kastilischen Könige nach Barcelona reisen, um dort die Eigenständigkeit der katalanischen Verfassung anzuerkennen. Katalonien war also von jeher eine Region, die vehement ihre eigenen Interessen verfolgte und sich dabei stets weiterentwickelt hat.

Verlust der Unabhängigkeit

Nun gedenken die Katalanen am kommenden Samstag dem Tag, an dem Katalonien endgültig seine Unabhängigkeit verlor. Nachdem katalanische Truppen Barcelona ein Jahr lang gegen spanische und französische Truppen verteidigt hatten, mussten sie schließlich kapitulieren. Auch wenn sie noch so sehr versucht hatten sich zu wehren, so fiel die Region nun doch unter die absolutistische Herrschaft der Bourbonen. Dieser Tag besiegelt das Ende eines Königshauses, das sich über Jahrhunderte behaupten konnte und auf ein uraltes Adelsgeschlecht zurückgeht.

Beschneidung von Rechten

In den folgenden Jahren wurden die Eigenständigkeitsrechte Kataloniens stark beschnitten. Die Katalanen unterlagen fortan der zentralistischen Steuerung aus Madrid. Spanisch sollte ihre neue Amtssprache werden. Immer wieder loderten Bestrebungen nach einer Eigenständigkeit Kataloniens auf – jedoch ohne Erfolg.

Das Autonomiestatut

Ein Zeichen für die Eigenständigkeit setzte das Autonomiestatut, das 1932 erstmals in Kraft trat und die Bildung eines katalanischen Parlaments ermöglichte. Jedoch durchfuhr die spanische Republik, wie viele andere Nationen dieser Zeit, ein zunehmender Rechtsruck, der zu enormen Beschneidungen der katalanischen Autonomie führte.

Heute hat jede der 17 Comunidades Autónomas ein Autonomiestatut. In ihm werden die kulturellen Eigenheiten der Gemeinschaften, ihre Geschichte und Institutionen festgehalten. Die Grenzen der Gemeinschaften werden definiert, ebenso wie das Rechtssystem sowie die Rechte und Pflichten der Bürger.

Verbot unter Franco

Mit dem Aufstieg Francos 1939 wurden auch die Bestrebungen des Katalanismus eingedämmt. Franco verfolgte eine konservative zentralistische Politik, die dem deutschen Nationalsozialismus und dem italienischen Faschismus nahestand. Seine Diktatur bestand bis 1975.

In dieser Zeit wurde den Katalanen ebenso wie den Basken und Galiziern verboten, ihre eigene Sprache zu sprechen. Jede Form der kulturellen Individualität war untersagt. Dazu zählten auch die Gedenkfeiern zum katalanischen Nationalfeiertag.

Kultur, Wirtschaft und Geschichte

Die Suche nach den Gründen für das Unabhängigkeitsbestreben der Katalanen hat uns tief in die katalanische Kultur, Wirtschaft und Geschichte geführt. Warten wir nun gespannt auf die Berichterstattungen zur Diada 2021.

Sie interessieren sich für die Geschichte Barcelonas? Dann sollten Sie auf keinen Fall meinen Beitrag zum „Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón verpassen. Ein hervorragender Roman, der sich auch in seiner deutschen Übersetzung sehr gut lesen lässt.